Erinnerungsarchiv

Tagebuch- und Erinnerungsarchiv

Wir Menschen führen Buch über unser Leben...

Inspiriert vom Europaprojekt "Telling Europe" unseres Museums entstand bei den Teilnehmerinnen des Projektes die Idee, auch bei uns ein Archiv aufzubauen, das Erinnerungen festhält. Die Initiatorinnen wandten sich deshalb im September 2005 mit folgendem Aufruf an die Öffentlichkeit: Wir halten Gedanken fest, die Entwicklung unserer Kinder, unsere Hochzeiten und Scheidungen, auch Krankheiten und Tode. Wir gestalten liebevoll Poesiealben, Fotoalben und Reiseberichte, wir führen Tagebücher, Briefwechsel mit Familienmitgliedern, Freunden und Widersachern. Wir schreiben Familienchroniken und sogar unsere eigenen Biographien und Memoiren. Wir zeichnen unzensiert und oft schonungslos auf? Mit allen diesen Dokumenten bekunden wir den Wunsch, unser Leben auch über den Tod hinaus festgehalten zu wissen. In diesen Dokumenten mit ihrem unverwechselbaren, individuellen Charakter sind Alltagsgeschichten und Zeitgeschichte vereint. Leider gelangen sie allzu oft in Hände, die ihren Wert nicht erkennen. Unsere Erinnerungen drohen mit uns unterzugehen, wenn wir nicht vorsorgen: Wir können sie an interessierte Nachkommen weitergeben, testamentarisch ihren Verbleib verfügen. Garantiert am Leben bleiben die Aufzeichnungen im Tagebuch- und Erinnerungsarchiv.
Seit 1993 werden private Lebenserinnerungen und Dokumente am Heimatmuseum Berlin-Treptow gesammelt, gelesen und archiviert. Ein Jahrzehnt später fiel die Entscheidung, die Sammlung systematisch zu erweitern auf die östlichen Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und sie einem Nutzerkreis zugänglich zu machen. Private, soziale, wissenschaftliche Interessenten und Institutionen sollen das Tagebuch- und ErinnerungsArchiv nutzen dürfen. So kann Fortbildungsarbeit, Jugend- und Altenbetreuung durch eine Auseinandersetzung mit lebensgeschichtlichen Berichten gefördert werden. Das kontinuierliche Sammeln für das Archiv und seine Sammlung werden durch Schreibaufrufe und Aktivitäten wie Gesprächsrunden, Seminare, Führungen, Lesungen, Veröffentlichungen von Schriften und thematischen Buchreihen befördert und ergänzt.
Die Gründerinnen des Tagebuch- und Erinnerungsarchivs begrüßen jede Vervollständigung des Archivs und stehen für Informationen und Ratschläge zur Verfügung. Ehrenamtliche Helfer und Helferinnen für den weiteren Aufbau und die Pflege des Archivs sind willkommen. Sie werden immer gebraucht.
Seit dem Bezug der Archivräume im Sommer 2006 füllen sich nun die Regale. Tagebuchsammlungen aus dem Zeitraum von 1929 bis 2000 sind uns übergeben worden. Darunter das Lebenswerk und der gesamte Nachlass des Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Heinrich Spiero. Fotos, Dokumente, historische Ansichtskarten und Zeitschriften fanden Eingang in die Sammlung. Der Frieling-Verlag spendete zum Aufbau des Archivs 140 Veröffent-lichungen autobiografischer Texte. Eine Lesegruppe und weitere ehrenamtliche Interessenten unterstützen die Arbeit und helfen dabei, die Dokumente einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.